„Das Internet ist wieder weg.“ Diesen Satz höre ich in kleinen Büros ständig. Meistens ist das Internet gar nicht weg. Die Leitung läuft, der Anbieter liefert, was er soll. Das Problem sitzt zwischen Router und Laptop: im WLAN.
Die gute Nachricht: Die Ursachen sind fast immer dieselben. Einige davon können Sie in zehn Minuten selbst eingrenzen, bevor Sie Geld für neue Technik ausgeben.
Erst prüfen: Ist es wirklich das WLAN?
Bevor Sie irgendwas kaufen, machen Sie einen einfachen Test. Schließen Sie einen Laptop per Netzwerkkabel direkt an den Router an und messen Sie die Geschwindigkeit, zum Beispiel mit dem Speedtest Ihres Anbieters oder der Breitbandmessung der Bundesnetzagentur (breitbandmessung.de). Danach dieselbe Messung per WLAN, einmal direkt neben dem Router und einmal am Arbeitsplatz, an dem es hakt.
So lesen Sie das Ergebnis:
- Schon am Kabel langsam: Dann liegt es an der Leitung oder am Router. Neue WLAN-Technik bringt hier nichts. Rufen Sie zuerst Ihren Anbieter an.
- Am Kabel schnell, neben dem Router per WLAN auch: Die Technik ist in Ordnung, das Problem ist Reichweite oder Störung.
- Am Kabel schnell, per WLAN überall mies: Router überlastet, veraltet oder falsch eingestellt.
Dieser Test kostet nichts und verhindert den häufigsten Fehlkauf: einen neuen Repeater für ein Problem, das gar nicht im WLAN liegt.
Die fünf häufigsten Ursachen
1. Ein Router für alles
In vielen Büros macht die Box vom Anbieter alles gleichzeitig: Internet, Telefonie, Firewall, DHCP und WLAN für die ganze Etage. Für eine Wohnung passt das. Für ein Büro mit zehn Arbeitsplätzen, Handys, Drucker, Kartenterminal und Besprechungsraum ist ein einzelnes Gerät in der Ecke schnell am Limit. Dazu kommt der Standort: Router hängen oft da, wo der Anschluss aus der Wand kommt, also im Flur, im Keller oder im Schrank. Also genau dort, wo niemand arbeitet.
2. Repeater als Dauerlösung
Repeater sind die übliche Notlösung. Das Problem: Ein klassischer Repeater muss jedes Datenpaket per Funk empfangen und wieder weitersenden. Die Verbindung zum Router läuft ebenfalls über WLAN. Je schlechter das Signal zwischen Repeater und Router, desto weniger kommt am Ende an. Zwei Repeater hintereinander machen es meist noch schlimmer. Dazu kommt, dass Laptops oft stur am schwachen Signal kleben bleiben, statt zum näheren Gerät zu wechseln.
3. Alle im selben Netz
Mitarbeiter-Laptops, private Handys, Besucher, Smart-TV im Besprechungsraum und der Drucker hängen im selben WLAN. Das ist erstens ein Sicherheitsproblem: Ein infiziertes Handy eines Besuchers sieht dann Ihren Server und Ihre Arbeitsplätze. Zweitens drückt jedes Gerät, das gerade Updates zieht oder Videos streamt, auf die Leistung für alle anderen.
4. Veraltete Geräte bremsen
Ein WLAN ist ein geteiltes Medium. Ein uralter Laptop oder ein Drucker, der nur den alten Standard spricht, belegt die Funkzeit länger als moderne Geräte. Auch veraltete Verschlüsselung wie WPA/TKIP ist ein Bremsklotz und dazu unsicher. Heute sollte mindestens WPA2 mit AES laufen, besser WPA3, wo alle Geräte es können.
5. Wände, Stahlbeton, Nachbarn
Im 2,4-GHz-Band gibt es in Europa nur drei Kanäle, die sich nicht überlappen. In Bürohäusern und Innenstädten funken dort oft Dutzende Nachbarnetze. Das 5-GHz-Band hat viel mehr Platz, kommt aber schlechter durch Wände. Stahlbeton, Brandschutztüren und Aufzugsschächte schlucken zusätzlich Signal. Wer nicht misst, rät.
Was in kleinen Büros wirklich hilft
Kabel statt Funk, wo es geht
Klingt altmodisch, ist aber die beste WLAN-Optimierung: Alles, was fest steht, bekommt ein Netzwerkkabel. Arbeitsplatz-PCs, Drucker, Server, Telefonanlage. Jedes Gerät, das nicht funkt, macht das WLAN für die mobilen Geräte freier.
Access Points statt Repeater
Statt Repeatern setze ich in Büros Access Points ein, die per Netzwerkkabel angebunden sind. Der Unterschied: Die Verbindung zum Netz läuft über das Kabel, nicht über Funk. Jeder Access Point liefert dadurch seine volle Leistung. Viele Modelle bekommen den Strom gleich mit über das Netzwerkkabel (PoE), Sie brauchen also keine Steckdose an der Decke.
Mehrere Access Points werden zentral verwaltet. Sie haben einen WLAN-Namen im ganzen Büro, und die Geräte wechseln sauber zwischen den Access Points, wenn jemand mit dem Laptop in den Besprechungsraum geht.
Mesh-Systeme aus dem Elektromarkt sind ein Kompromiss. Sie sind besser als Repeater, vor allem wenn die Mesh-Punkte per Kabel verbunden sind. Für ein Büro mit mehreren Räumen und festen Arbeitsplätzen sind richtige Access Points auf Dauer aber meist die ruhigere Lösung.
Getrennte Netze
Mindestens zwei WLANs: eins für Firmengeräte, eins für Gäste und private Handys. Das Gäste-WLAN kommt nur ins Internet, nicht an Server, Drucker oder Arbeitsplätze. Technisch läuft das über getrennte Netzsegmente (VLANs) auf Access Points, Switch und Firewall. Für Geräte wie Smart-TVs oder Kameras lohnt oft ein drittes Netz.
Richtig platzieren
Access Points gehören an die Decke oder hoch an die Wand, möglichst mittig im Bereich, den sie versorgen sollen. Nicht in den Serverschrank, nicht hinter den Monitor, nicht auf den Boden. Vor der Montage messe ich mit dem Laptop durch, wo das Signal wirklich ankommt. Das dauert keine Stunde und spart später viel Ärger.
Lohnt sich Wi-Fi 6E oder Wi-Fi 7 schon?
Neue Access Points mit Wi-Fi 6E oder Wi-Fi 7 funken zusätzlich im 6-GHz-Band. In Deutschland ist dafür seit Juli 2021 der Bereich von 5.945 bis 6.425 MHz freigegeben. Dort ist es noch deutlich ruhiger als bei 2,4 und 5 GHz.
Zwei Einschränkungen sollten Sie kennen. Erstens nutzen nur Geräte, die 6 GHz auch unterstützen, das neue Band. Ältere Laptops funken weiter wie bisher. Zweitens hat Europa für WLAN nur diesen unteren Teil des 6-GHz-Bands. Die viel beworbenen 320-MHz-Kanäle von Wi-Fi 7 passen hier genau einmal rein, im Büro mit mehreren Access Points bringt das also wenig. Meine Einschätzung: Wenn Sie ohnehin neue Access Points kaufen, nehmen Sie Modelle mit 6 GHz. Nur deswegen funktionierende Technik rauszuwerfen, lohnt sich für kleine Büros selten.
Checkliste zum Selbstprüfen
- Speedtest per Kabel und per WLAN gemacht und verglichen?
- Wo steht der Router, und wo sitzen die Leute, die sich beschweren?
- Wie viele Repeater hängen im Büro, und hängen sie hintereinander?
- Haben Gäste ein eigenes WLAN, das nicht an Ihre Firmengeräte kommt?
- Läuft mindestens WPA2 mit AES, besser WPA3?
- Wann gab es das letzte Firmware-Update für Router und Access Points?
- Hängen feste Arbeitsplätze und Drucker am Kabel?
Wenn Sie bei zwei oder mehr Punkten ins Grübeln kommen, lohnt sich ein genauerer Blick.
Hilfe in Ludwigshafen und Umgebung
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